Wenn Mutter mal den Zug nimmt
Den Anfang in der neuesten Kategorie macht meine Mutter.
Sie hat sich auch alle Mühe gemacht, den Text so ausführlich zu schreiben wie möglich.
Naja ich wünsch euch viel Spaß beim lesen.
Am 27.11.06 sollte ich gemeinsam mit meinem Kollegen Peter Zwetsch zu einer Fortbildung um 10.00h in Horn/Bad Meinberg sein. Umweltbewusst wollten wir dies mit der Deutschen Bahn bewältigen. Ich war auf die Fahrt sehr neugierig, handelt es sich doch fast identisch um den Weg, den Jörg sonst zu seiner Freundin nach Bielefeld zurücklegt. Also: Idar-Oberstein bis Frankfurt, dort umsteigen nach Kassel, von hier nach Warburg und weiter nach Altenbeken. Dann noch der Zug nach Horn/ Bad Meinberg. Zuerst stellte sich mal heraus, dass dies im Laufe des Vormittags nicht zu bewältigen ist. Also beschlossen wir bereits am Vortage, also Sonntag, den 25.11.06 anzureisen. Auch die Tatsache, dass wir nur ab Detmold einen Bus zu unserem Hotel in Horn/Bad Meinberg bekommen konnten, schreckte uns nicht ab. Und so starteten wir frohen Mutes um 13.58h am Sonntag pünktlich mit dem Regionalexpress in Idar-Oberstein.
Laut Plan sollten wir um 20.15h im Hotel ankommen.
Bis Frankfurt ging auch noch alles gut. Dort mussten wir aber bereits feststellen, dass alle, wirklich alle ICE und IC Verspätung hatten. Unser ICE nach Kassel-Wilhelmshöhe 10 Minuten. Bis Kassel waren es dann 20 Minuten mit dem Ergebnis, das unser Regionalexpress nach Warburg nicht warten konnte. Eine freundliche Zugbegleiterin druckte uns als Alternative die Weiterfahrt nach 1.10h Aufenthalt in Kassel mit einem IC nach Altenbeken aus.
Neue planmäßige Ankunftszeit im Hotel 20.55h und zwar mit einem Taxi, da der letzte Bus so nicht mehr zu erreichen ist.
Zeit genug um einen Kaffee zu trinken und bei einem fliegenden Händler verschiedene seltene Music-CDs zu erwerben, und um festzustellen, dass der benannte IC wegen einer Baustelle vor Warburg „planmäßig“ bis Altenbeken 40 Minuten Verspätung einfahren würde. Unsere geplante Ankunftszeit verschob sich jetzt schon auf 21.35.
Der IC startete pünktlich um 19.01h in Kassel, kurz vor Warburg kam dann die angekündigte Baustelle, die Bahnstrecke war nur eingleisig befahrbar. Nach den geplanten 40 Minuten ging es dann auch weiter, aber nur ca. 100 Meter. Dann absoluter Stillstand, geschlagene 50 Minuten lang. Erstaunlicherweise blieben die Fahrgäste relativ ruhig, obwohl einige feststellen mussten, dass sie an diesem Tage nicht mehr ihr Ziel erreichen würden. Der Platz zwischen den einzelnen Abteilen wurde zum Raucherraum umfunktioniert, die Bundis versorgten sich mit reichlich Bier aus dem Buffetwagen. Irgendwann gab es dann die Durchsage, dass im Speisewagen kostenlos Getränke ausgeschenkt werden. Nun konnte die Bundis nichts mehr halten. Nach einer halben Stunde kamen sie allerdings enttäuscht zurück, da es kostenlos nur Alkoholfreies gab. Diese Enttäuschung wurde aber dadurch abgemildert, dass sich der Zug dann doch noch in Bewegung setzte und mit 1.35h Verspätung in Altenbeken ankam. Am Bahnhof wurden dann reihenweise Taxischeine ausgestellt. Dies nützte uns aber nicht viel, da wir ja noch weiter nach Horn/Bad Meinberg mussten.
An diesem trostlosen Bahnhof kamen wir dann auch um 22.30h endlich an. Glücklicherweise hatte eine junge Frau bereits ein Taxi geordert, das dann auch uns ins Hotel brachte. Sonst wären wir wohl dort gestrandet, denn an diesem Bahnhof gibt es absolut nichts, noch nicht mal die Telefonnummer eines Taxiunternehmens.
Um 22.45h waren wir dann endlich an unserem Ziel, im Hotel zum Stern, nach fast neun Stunden.
Die Rückfahrt am 29.11.06 verlief dann aber wesentlich besser. Um 13.00h konnten wir unser Hotel verlassen und erreichten mit dem Taxi um 13.13h bereits die Regionalbahn nach Altenbeken. Altenbeken ist der kleinste ICE Bahnhof Deutschlands und hier befindet sich ja auch Jörgs bevorzugte Bahnhofskneipe. Da wir dort 35 Minuten Aufenthalt hatten, nutzten wir natürlich die Zeit, diese aufzusuchen um einen Cappuccino zu trinken. Die Kneipe ist wirklich so sehenswert, dass wir nicht umhin konnten ein paar Fotos zu machen. Schöne alte Eisenbahnfotos hängen an den Wänden, auch vom großen Viadukt und den Tunnels rund um Altenbeken. Die freundliche Wirtsfamilie lebt anscheinend fast in dieser Kneipe, daneben werden hier auch die Fahrkarten verkauft.
So war es auch nicht tragisch, dass unser IC Richtung Kassel 15 Minuten Verspätung hatte. Zum Glück erreichten wir trotzdem noch unseren ICE in Kassel. Auf der Fahrt nach Frankfurt gab es dann noch ein wenig Action mit Unterhaltungswert im Zug. Neben uns saß ein Berliner Ehepaar mit kleinem Hund. Auf seiner Hundedecke belegte er einen schönen Fensterplatz. Als der Zugbegleiter die Hundefahrkarte sehen wollte, begann der 1. Akt des Theaters. Die Frau schimpfte gewaltig drauflos, über diese Unverschämtheit. Sie brauche keine Fahrkarte, das hätte man ihr am Schalter gesagt. Der Hund hätte ja einen Hundekorb. Dieser stand auch unter dem Tisch. Der Zugbegleiter wies dann noch daraufhin, dass der Hund dann auch in den Hundekorb muss, und ging seiner Wege. Die Frau konnte sich gar nicht beruhigen über diesen unverschämten Schaffner und als dieser nach einer halben Stunde zurückkam, saß der Hund immer noch auf seinem Fensterplatz. Nun bestand der Zugbegleiter auf einer Hundefahrkarte. Die Frau weigerte sich zu zahlen, woraufhin er die Personalien notieren wollte. Doch sie verweigerte die Aussage. Der Zugbegleiter verschwand wieder kurz, aber nur um mit einem Polizisten wieder zu kommen. Am Ende bekam der Hund seine Fahrkarte, und die Frau die Visitenkarte des Zugbegleiters um sich über diesen auch beschweren zu können. Der Rest unserer Reise verlief weitgehend ereignislos und mit lediglich 5 Minuten Verspätung kamen wir um 19.05h wieder in Idar-Oberstein an.